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Aus dem Takt

Donnerstag, 16.05.2019, Forschen

Reinhold Esterbauer und Andrea Paletta haben erforscht, wie Burnout-PatientInnen ihren Rhythmus wiederfinden können

Rund zehn Prozent der Erwerbstätigen in Österreich sind von Burnout betroffen. Mit rein naturwissenschaftlichen Kriterien lässt sich die Erkrankung allerdings weder klar diagnostizieren noch behandeln. Philosoph Reinhold Esterbauer und Sportwissenschafterin Andrea Paletta haben eine bislang unbeachtete subjektive Dimension – nämlich schwer messbare individuelle Empfindungen – mit einem empirischen Zugang kombiniert, um neue Präventions- und Therapieansätze zu entwickeln.

Den Leib – darunter versteht die Philosophie den subjektiv empfundenen Körper, den man nicht nur hat, sondern der man ist – untersucht Esterbauer in Bezug auf seine zeitlichen Strukturen. Diese sind beispielsweise beim Einschlafen und Aufwachen oder im Älterwerden für jede Person besonders spürbar.
Das Ermüden an sich ist eine Konsequenz des individuellen Rhythmus. „Wir kennen alle die Situation, dass wir abends im Bett unbedingt noch ein paar Seiten lesen wollen, uns aber die Augen zufallen. Der Leib ist stärker und raubt uns vorübergehend das Bewusstsein“, konkretisiert der Wissenschafter. Das lege die Vermutung nahe, dass Burnout gewissermaßen eine Zeit-Krankheit ist, eine Störung der regelmäßigen Abläufe. „Sonst würden Betroffene ja mit ihrem Bewusstsein dagegen ankämpfen können.“

In Kooperation mit der Reha-Klinik St. Radegund bei Graz haben Esterbauer und Paletta empirische Untersuchungen durchgeführt und beobachtet, dass Burnout-PatientInnen tatsächlich aus dem individuellen Takt gekommen sind. „Leitete man Ausgebrannte an, sich frei im Turnsaal zu bewegen, gingen diese antriebslos und monoton eine Linie entlang. Gesunde hingegen nutzten wesentlich mehr Raum, waren schwungvoll und machten variantenreichere Bewegungen“, beschreibt die Sportwissenschafterin.
Paletta hat außerdem festgestellt, dass neben der Störung des biologischen Rhythmus – Herzschlag, Atmung und Schlaf – auch regelmäßige Tagesprogramme wie fixe Essens- oder Behandlungszeiten als belastend wahrgenommen werden. Gegen Ende der Therapie mit ausgewählten Sporteinheiten verbesserte sich beides. Damit näherten sich die PatientInnen an die Zeiterfahrung von Gesunden an.
Die WissenschafterInnen stellten daraufhin umfangreiche Übungen zusammen, die einerseits Betroffenen helfen können, ihren Rhythmus nachhaltig zu stabilisieren, und andererseits Gestressten ein Präventionsprogramm bieten. Diese sind online zugänglich.

Die Untersuchungen fanden im Rahmen des vom österreichischen Wissenschaftsfonds FWF finanzierten Projekts „Bodytime“ statt. Das kürzlich im Verlag Karl Alber erschienene Buch „Der Leib und seine Zeit“, herausgegeben von Esterbauer, Paletta und Julia Meer, fasst die wichtigsten Ergebnisse zusammen.

 

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