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Digitale Revolution

Mittwoch, 16.01.2019, Forschen

Wie der Einfluss von Technologien den Arbeitsmarkt und auch die Gesellschaft verändert. Volkswirt Jörn Kleinert beschäftigt sich mit dieser Fragestellung

In der Entwicklungsökonomik wird die Landwirtschaft als einfachste Tätigkeit in einer Volkswirtschaft beschrieben. Doch schon längst ist dieser Bereich in der Moderne angekommen und ein hoch digitalisiertes Unterfangen, sagt Ökonom Jörn Kleinert vom Institut für Volkswirtschaftslehre. Selbstfahrende Mähdrescher und ein vollautomatisierter Stall sind keine Seltenheit mehr. Der Bauer lässt mittlerweile arbeiten und nutzt die Möglichkeiten der modernen Entwicklung.

Dies ist nur eines von vielen Beispielen der digitalen Veränderung. Digitalisierung versteht sich aber nicht nur als die Umwandlung von bisher mechanischen Vorgängen in digitale, sondern steht im Allgemeinen für eine Umwandlung und Darstellung von Information. Die digitale Modifikation von Geräten und Fahrzeugen wird unter dem Begriff „digitale Revolution“ beschrieben, weitläufig als dritte Revolution bekannt, und steht für den digitalen Wandel in der Gesellschaft. „Digitalisierung beschreibt eine zunehmende Verwendung von Information“, so Kleinert, "und Information ist alles, was sich digitalisieren lässt“. Die Gesellschaft verändert sich und dies zeigt sich auch am Konsum. „Jüngere Leute verbringen immer mehr Zeit in sozialen Netzwerken“, erklärt Kleinert. Durch soziale Medien wie Instagram oder Youtube entstanden in den letzten Jahren neue Berufsgruppen, wie Influencer oder Blogger.

 

Social-Media als Arbeitsgeber 2.0.?
VLOGS (Video-Blogs) und der Begriff „Storytelling“ gehören mittlerweile beinahe zum täglichen Leben am virtuellen Arbeitsmarkt. Es werden Geschichten erzählt und per Internet für alle zugänglich gemacht. Der richtige Content entscheidet über die Anzahl der Follower und je mehr Follower, desto mehr Geld kann man durch das Internet verdienen. Erfolgreiche Influencer haben mehrere Millionen Follower und machen auch mehrere Millionen Euro Umsatz im Jahr - nicht zuletzt dank Digitalisierung. Der Einfluss der digitalen Revolution hat und wird den Arbeitsmarkt verändern, aber müssen wir uns Sorgen machen, dass unsere Berufe bald nur mehr online existieren?

Berufsgruppen werden ersetzt, durch Abläufe die anders funktionieren als sie vorher funktioniert haben. Auch die Art, wie wir ins Geschäft kommen wird sich verändern.

Doch wird dieser Strukturwandel zu einer massiven Arbeitslosigkeit führen? „Ich glaube nicht“, erklärt Kleinert. „Die Blaupause für diesen Strukturwandel, wie wir ihn jetzt haben, ist die Industrielle Revolution, die mit einer enormen Anpassungsleistung der Gesellschaft verbunden war. Es herrschten chaotische Arbeitsbedingungen, Kinderarbeit. Es ist nicht so, dass die Arbeit nicht da war, sondern Bedingungen gegeben waren, die nicht vorteilhaft sind. Es wird solche Verwerfungen geben, aber bestimmt nicht in solchen Ausmaßen. Der Strukturwandel wird wehtun. Nicht allen und immer, aber einigen in gewissen Phasen.“ Angst vor der großen Arbeitslosigkeit durch die Digitalisierung hat Kleinert deshalb nicht, denn Arbeitslosigkeit ist und war schon immer ein Thema in der Gesellschaft. Daher ist für den Volkswirt keinerlei Tendenz absehbar, vielmehr sei es eine gesellschaftliche Aufgabe, die es zu meistern gilt. Für den Ökonomen ist daher klar: „Irgendetwas wird der Mensch schon finden, so einfallslos ist er nicht. Und in dem Augenblick, wo Automaten und Maschinen uns Menschen ersetzen, ist nicht mehr die Erzeugung das Problem, sondern die Verteilung.“ Diese Umstrukturierung, die in der Gesellschaft stattfinden wird, klingt jedoch harmloser, als sie tatsächlich ist. Veränderung bedeutet schließlich, dass es die gewohnten Vorgänge in dem Ausmaß nicht mehr geben wird.

Glücklicherweise haben wir uns auch schon sehr weit von der Sisiphus-Arbeit – der mühevollen Kleinarbeit – wegentwickelt. Bereiche, wo kein selbstständiges Lernen programmiert werden muss, sind ideal für Maschinen.

Gemeint sind einfache Routinetätigkeiten, in denen kein komplexer Vorgang verankert ist. Dennoch gilt für den Experten: „Wir werden uns ganz sicher alle anpassen müssen - manchen fällt dies leichter, manchen fällt dies schwerer.“

Digitalisierung an der Universität?
Informationstechnologien werden immer präsenter, digitale Lösungen werden gefordert. Die digitale Wissenschaft beschäftigt sich daher mit Fragen, die durch die implementierte Veränderung der Digitalisierung entstehen – so auch an der Universität Graz. „Digitale Wissenschaft – Medienkompetenz, Informationswissenschaft und IT-Recht“ nennt sich der fakultätsübergreifende Wahlfachschwerpunkt, der sich an Studierende aller Studien richtet.

Auch das Forschungsnetzwerk HFDT (Human Factor in Digital Transformation), das mittlerweile aus zehn Personen besteht und Bereiche wie Archäologie, Rechtswissenschaft, Soziologie sowie Informationswissenschaften abdeckt, widmet sich den Themenstellungen, die durch Digitalisierung entstehen. Wer haftbar ist, wenn ein selbstfahrendes Auto einen Unfall verursacht, ist dabei nur eine von vielen Fragestellungen, die von den WissenschafterInnen der Universität Graz gestellt werden. „Digitalisierung poppt auf einmal auf und wird für alle sichtbar - dabei war sie immer schon da.“, sagt der Experte und ergänzt: „Neue Bereiche und Möglichkeiten eröffnen sich, die es zu erkennen gilt, um das Beste daraus zu machen.“

 

Veränderungen am Arbeitsmarkt, bedingt durch die Digitalisierung und den damit verbundenen Strukturwandel in der Gesellschaft, sind bereits allgegenwärtig. Gewohnte Bereiche und Tätigkeiten können zukünftig digital oder anders ablaufen als bisher. Die Gesellschaft steht vor einer neuen Herausforderung, die nicht für alle schön verlaufen wird. Für Kleinert stellt sich aber nicht die Frage ,Was macht die Technik mit uns?' sondern: „Was machen wir aus der Digitalisierung?“


Es ist niemals die Technik, die etwas mit uns macht. Wir machen etwas mit der Technik.

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