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Übergangszeit

Dienstag, 05.05.2020, Universität, Forschen

Uni-Archiv zeigt die Instrumentalisierung heimischer Medien vor und nach Kriegsende 1945

„Der Freiheitskampf geht weiter!“ „Reißt alle Kraft zusammen!“ „Wir kämpfen für unsere Heimat!“ So titelten die Kleine Zeitung und die Tagespost am 3., 4. und 5. Mai 1945 – in den allerletzten Tagen des Zweiten Weltkriegs, der am 8. Mai 194 endete. "Der erste Schritt zur Freiheit“, "Berlin beginnt wieder zu leben" und "Nun wieder - Österreich" lauteten die Schlagzeilen ab dem ersten Tag nach dem Inkrafttreten der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht.

„Hier sehen wir ganz deutlich, wie sehr Medien in einer Zeit ohne Pressefreiheit von den jeweiligen Machthabenden instrumentalisiert wurden“, schildert Alois Kernbauer, Leiter des Archivs der Universität Graz. Er hat, rechtzeitig zum Gedenktag „75 Jahre Kriegsende“ diese Woche, insgesamt 38 Titelseiten der Kleinen Zeitung bzw. der Tagespost, die zwischen 26. April 1945 und 24. Mai 1945 erschienen, auf der Website des Archivs digital zugänglich gemacht.

Aus der Berichterstattung jener Tage lässt sich, aus heutiger Perspektive, eine eindeutige Weisung sofort herauslesen: „Medien sollten die deutsche Propaganda aufrechterhalten und so die öffentliche Meinung lenken – bis zum Schluss. Für JournalistInnen war es undenkbar, die Wahrheit zu schreiben –  nämlich, dass der Krieg längst verloren war“, schildert Kernbauer. So schreibt die Tagespost am 2. Mai 1945: „Der Führer ist gefallen. Er kämpfte bis zum letzten Atemzug für Deutschland - in Trauer und Ehrfurcht senkt das deutsche Volk die Fahne.“

Manipulation geht weiter
Interessant ist für den Historiker Kernbauer auch, dass die Instrumentalisierung der Medien auch nach Ende des Krieges weiterging. Zwar setzte die provisorische Regierung unter Karl Renner schon wenige Tage vor dem offiziellen Kriegsende die Verfassung von 1929 wieder ein und verbot damit die Zensur. Dennoch konnte in der Praxis von Pressefreiheit keine Rede sein. „Fallweise waren es dieselben JournalistInnen, die wenige Tagen oder Wochen zuvor noch die ‚deutsche Moral‘ hochhalten mussten, die sich kurz darauf in einer neuen Rolle wiederfanden. Nun hatten sie Loblieder auf die neu gewonnene Freiheit – und damit auch auf die alliierten Mächte – zu singen“, beschreibt Alois Kernbauer die Situation.  

Von medialer Vielfalt und Unabhängigkeit war man in Österreich also auch nach Ende des Zweiten Weltkriegs noch weit entfernt, berichtet der Archivleiter: „Die drei maßgeblichen politischen Parteien ÖVP, SPÖ und KÖP schufen ihre jeweiligen Zeitungen. Zudem hatte der Alliierte Rat, das oberste Exekutivorgan, bis 1955 ein Auge auf die Medienlandschaft. In den einzelnen Besatzungszonen wurde zunehmend Pressefreiheit zugelassen. Interessanterweise ließen auch die Sowjets in ihrer Besatzungszone auch nicht direkt von ihnen gesteuerte Zeitungen zu.“

Pressefreiheit: Österreich aktuell auf Platz 18
Derzeit liegt Österreich in der Rangliste der Pressefreiheit von Reporter ohne Grenzen übrigens auf Rang 18. Das ist ein Verlust im Vergleich zum Vorjahr um zwei Plätze. An der Spitze des Rankings, das in 180 Ländern die Situation von JournalistInnen, Medienhäusern und zivilen BürgerreporterInnen bewertet, liegen, wie bereits im Vorjahr, Norwegen und Finnland.  

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