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Weg vom Krieg

Freitag, 29.04.2022, Forschen, Universität

Zeithistorikerin Barbara Stelzl-Marx über Menschen auf der Flucht

Wenn auch nicht immer endgültiges Ziel, Österreich ist oft ein Kreuzungspunkt für fliehende Menschen. Jetzt mitten im Ukraine-Krieg mit aktuell 64.000 Geflüchteten und regelmäßig in den vergangenen Jahrzehnten. Zeithistorikerin Barbara Stelzl-Marx wirft einen Blick auf Fluchtbewegungen der jüngeren Geschichte.

1,6 Millionen Menschen strandeten in Österreich 1945, am Ende des Zweiten Weltkrieges. „Bei einer damaligen Gesamtbevölkerung von 6,5 Millionen“, hält Barbara Stelzl-Marx fest. Und die Leiterin des Ludwig Boltzmann Instituts für Kriegsfolgenforschung nennt weitere Fakten: Unter den Vertriebenen, Geflüchteten und auch Gefangenen war etwa eine Million fremdsprachig. 400.000 waren sogenannte Volksdeutsche, von denen viele in Österreich blieben. „Sie waren unter anderem aus Südtirol, Jugoslawien und Tschechoslowakei vertrieben oder von Adolf Hitler ,heim ins Reich‘ geholt worden“, erklärt die Wissenschafterin.

Krisen beim Nachbarn
1956 flohen 180.000 Ungarn vor den sowjetischen Panzern ins rot-weiß-rote Nachbarland. Davon haben sich etwa 7000 hierzulande dauerhaft angesiedelt, weiß Stelzl-Marx.
Die nächste größere Fluchtbewegung folgte 1968. Nach der Niederschlagung der Reformbewegung in der Tschechoslowakei suchten 200.000 TschechInnen Zuflucht in Österreich – vorübergehend, denn nur 3000 fanden hier eine neue Heimat. 100.000 waren es schließlich in den 1990er-Jahren, die dem Krieg im ehemaligen Jugoslawien entkommen wollten und vielfach nicht zurückkehrten.

Erinnerungsstücke
Vertreibung und Flucht gehen häufig mit Solidarität der ÖsterreicherInnen einher. Insbesondere während der Krisen in Ungarn und der Tschechoslowakei. Die Zeithistorikerin begründet: „Die Bedrohung durch die Sowjetunion stand gleichsam vor der Haustür.“
Kaum verändert hat sich auch: das Wenige, das Menschen auf ihrer Flucht im Gepäck haben. „Es handelt sich vor allem um sehr persönliche Erinnerungsstücke“, schildert Stelzl-Marx. „Sie gehören zum Familiengedächtnis und zur Identität.“ Lediglich die Papier-Fotos wurden heute von Bildern auf Handys abgelöst.
Weitere Parallelen zeichnet die Forscherin rund um die strategische Kriegsführung: „Lügen und Desinformation waren und sind stets Teil einer militärischen Auseinandersetzung. Das hat System.“

Angriff auf Freiheit
Während Barbara Stelzl-Marx auf vergangene Kriege mit historischer Distanz blickt, gesteht sie aufgrund ihrer Kontakte sowohl in der Ukraine als auch in Russland sowie Begegnungen mit geflüchteten Ukrainerinnen eine tiefe persönliche Betroffenheit: „Dieser Krieg ist ein Angriff auf unsere demokratischen Werte, auf die Menschenrechte, auf die Freiheit.“

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