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Wenn wir lieben

Montag, 21.12.2020, Forschen

Raphaela Swadosch erforscht im Graduiertenkolleg „Resonante Weltbeziehungen in sozio-religiösen Praktiken in Antike und Gegenwart“ das Hohelied

Was passiert, wenn wir lieben? Raphaela Swadosch widmet sich wohl einer der elementaren Fragen, die uns bewegen. Schon seit Jahrtausenden. Nachzuschlagen etwa im Alten Testament, wo das Hohelied Leidenschaft, Verlangen und Sehnsucht in erotischer Sprache beschreibt. „Biblische Texte haben uns auch heute noch was zu sagen“, betont die Doktorandin, die zum Hohelied forscht. „Darin werden Gefühle beschrieben, die uns vermitteln sollen, wie leidenschaftlich Gott uns liebt und wie wir Gott und andere lieben können“, begründet Swadosch.

Die Theologin, die weiters ein Masterstudium aus Soziologie und Wissenschaftliche Politik abgeschlossen hat, sieht in dieser Liebeslyrik noch mehr. Sie zeigt einen Veränderungsprozess. Denn was viele erfahren haben, bestätigt die Forscherin: „Zu lieben verändert einen nicht nur selbst, sondern auch den Blick auf die Welt herum.“ Sie erkennt darin einen Kontrapunkt zum Heute, wo, so Swadosch, „alles machbar und verfügbar ist. Aber Liebe können wir nicht künstlich herstellen, sie widerfährt uns, berührt uns.“ Ebenso zeitgemäß: Das Hohelied hinterfragt stereotype Vorstellungen über Geschlechterrollen und gesellschaftliche Konventionen. „Das wird deutlich, wenn die Strukturen und kulturellen Hintergründe der patriarchalisch geprägten Gesellschaft zur Entstehungszeit zwischen dem neunten und dritten Jahrhundert vor Christus untersucht werden.“

Bis zum Herbst 2021 will sie ihre Arbeit beenden. Ein Jahr lang studierte sie auch an der Partner-Universität Erfurt. Das ist im Graduiertenkolleg fest verankert. „Es eröffnet neue Perspektiven und bringt internationale ForscherInnen zusammen“, resümiert Raphaela Swadosch. Sie ist überzeugt: „Die Zukunft der Wissenschaft liegt in der Interdisziplinarität.“

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