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Online beten?

Freitag, 27.11.2020, Universität, Forschen

Religionswissenschafter Franz Winter über Glaubensfragen in der digitalen Welt

Virtueller Raum statt Kirche? Gottesdienste werden bereits live gestreamt. Kürzlich wurde überlegt, wie der Nikolo online ins Haus kommen kann. „Bei den großen, traditionellen Konfessionen handelt es sich derzeit um einen Notbehelf“, sagt Franz Winter, Religionswissenschafter an der Universität Graz. Der Forscher beobachtet aber zunehmend digitale Trends in Glaubensfragen.  

„Viele Religionsgemeinschaften sind vor allem von Partizipation und gemeinschaftlichen Ritualen geprägt, die übers Internet nur schwer funktionieren“, betont Franz Winter, Professor am Institut für Religionswissenschaft an der Katholisch-Theologischen Fakultät. Live-Übertragungen von Messen, die es schon vor Corona gegeben hat, bewertet er als Zusatzangebote. Andere Online-Dienste seien eher eine „Krücke“, um sich durch den Lockdown zu behelfen. „Wenn sich der Mensch im virtuellen Raum auch körperlich einbringen kann, dann sehe ich digital mehr Möglichkeiten“, blickt Winter sehr weit in die Zukunft.

Abseits von vielen Gefahren und menschenverachtenden Inhalten, die übers Internet verbreitet werden, erkennt der Wissenschafter auch positive Aspekte von Religion im Web.
So schaffe die Digitalisierung Optionen für Gläubige, die sich in einer Migrationssituation mangels eines Priesters online zu Glaubensversammlungen zuschalten können. „Zum Beispiel lässt sich das bei Hindus in Österreich beobachten“, weiß Franz Winter.

Während sonst die großen Gemeinschaften nach wie vor den klassischen Zugang wählen, existieren andere – sogenannte „virtual religions“ – ausschließlich im Internet. „Sie sind kein Massenphänomen, sondern verstehen sich als avantgardistische Strömungen“, beschreibt Winter. „So beleben unter anderem sogenannte neopagane Religionen in ihrem Selbstverständnis vorchristliche Traditionen, wie etwa die keltische Religion, und haben das WWW als ihren religiösen Raum eröffnet.“ Neue Bewegungen, verweist der Religionswissenschafter unter anderem auf „cyber sectarianism“ in China, nutzen wiederum auch die virtuelle Welt, um sich der staatlichen Kontrolle zu entziehen.

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