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Eine Generation geht

Mittwoch, 21.11.2018, Studieren

Studierende erforschen vor Ort die Folgen des Namensstreits zwischen Griechenland und Mazedonien

Die Entwicklung ihrer Studierenden zu kritisch denkenden Persönlichkeiten zu fördern und Kompetenzen über das grundlegende Fachwissen hinaus zu vermitteln, ist der Universität Graz ein besonderes Anliegen. Forschung im Feld, also außerhalb der eigenen Bewegungsradien und Denkhorizonte, zu betreiben, eignet sich ideal dazu, um die Qualität des wissenschaftlichen Outputs zu steigern und auf eine ganz persönliche Weise bereichernd zu wirken. Diese Erfahrung machten 15 Studierende auf einer neuntägigen Exkursion nach Griechenland und Mazedonien unter der Leitung von Klaus Poier vom Institut für Öffentliches Recht und Politikwissenschaft der Universität Graz und Erhard Busek, Jean Monnet Professor am selben Institut, sowie ehemaliger österreichischer Vizekanzler und Bundesminister für Wissenschaft und Forschung. Das Ziel: zu analysieren, welche Faktoren Einfluss auf Demokratie nehmen.

Auf ihrer Reise von Skopje über Thessaloniki nach Athen trafen die Studierenden der Rechtwissenschaften, Geschichte, Philosophie, Soziologie, Politikwissenschaft sowie Betriebswirtschaft zahlreiche lokale EntscheidungsträgerInnen. In Gesprächen mit PolitikerInnen, BotschafterInnen, JournalistInnen, SchrifstellerInnen und UnternehmerInnen konnten sie ein Bild der Situation der beiden Länder gewinnen, deren Beziehung durch den jahrzehntelang schwelenden Namenskonflikt belastet ist. „Wir haben erst vor Ort erkannt, wie identitätsstiftend die Bezeichnung Mazedonien beziehungsweise Makedonien für viele ist“, erzählt die Jus-Studierende Katharina Gruber. In Rahmen eines Kompromisses soll der Staatsnamen in „Nord-Mazedonien“ umbenannt werden. Griechenland muss dem allerdings noch zustimmen, was frühestens im Frühjahr 2019 passieren könnte. „Es gibt viele verschiedene Sichtweisen und die Debatten werden durch die Politik noch zusätzlich aufgeheizt“, weiß Stefan Rothbart, Student der Geschichte und Philosophie. „In den Gesprächen mit dem mazedonischen Außen-, dem Finanz- sowie dem ehemaligen Bildungsminister war es für uns auch interessant zu erleben, was ausgelassen, was nicht gesagt wird.“

Der Namenskonflikt wird vor allem in Mazedonien, dessen EU- und Nato-Beitritt von Griechenland blockiert wird, spürbar – durch den so genannten „Brain Drain“, also den Verlust von Schlüsselfachkräften und gut ausgebildeten Personen. „Eine ganze Generation wandert aus“, schildert die Jus-Studentin Julia Bauer, „weil die Perspektivenlosigkeit so groß ist. Für die zukünftige Entwicklung des Landes ist das fatal.“ Auch in Griechenland, immerhin Mitglied der Europäischen Union, gibt es wirtschaftliche Instabilität und Migration nach Zentral- und Nord-Europa. Das sei auch den gegenwärtigen politischen AkteurInnen geschuldet, resümieren die Studierenden. 

Generell schätzten die Studierenden an der Exkursion, dass sie den Blick nach Südosteuropa richten konnten – eine Region, die die Universität Graz als Schwerpunkt definiert hat, die aber im Alltag oft fremd und fern wirkt. „Wir sind in Zentraleuropa wirklich verwöhnt, sei es in der medizinischen Versorgung oder bei der Infrastruktur. Der Blick von außen auf unsere Heimat rückt gewisse Perspektiven ganz zwangsläufig zurecht“, erklärt Julia Bauer. Generell wünschen sich die Studierenden mehr Möglichkeiten, im Rahmen der regulären Ausbildung über den eigenen Tellerrand blicken und Exkursionen machen zu können. „Sich einem Thema vertiefend zu widmen und eigene Eindrücke vor Ort zu sammeln, macht jedes Paper qualitätsvoller und lässt jeden und jede Einzelne persönlich reifen“, ist Stefan Rothbart überzeugt.

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