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Flucht in den Orient

Freitag, 18.10.2019, Universität, Forschen

Forscherin der Uni Graz vergleicht Migrationsströme der Frühen Neuzeit mit heute

ProtestantInnen, SephardInnen, Aufständische im Habsburgerreich: Politisch Verfolgte aus weiten Teilen Europas fanden in der Frühen Neuzeit Zuflucht im Osmanischen Reich. „Diese massiven Migrationsbewegungen wurden von der Forschung bislang wenig beachtet“, stellt Zsuzsa Barbarics-Hermanik fest, Historikerin an der Universität Graz. Sie hat mit Studierenden die Geschichte aufgearbeitet und mit den Ergebnissen die Große Badische Landesausstellung in Karlsruhe mitgestaltet, die am 18. Oktober eröffnet wird.
„Es ist erstaunlich, wie sehr sich Schicksale von damals und heute ähneln – die Fluchtgründe, die Migrationsrouten, die Rolle von SchlepperInnen“, fasst Barbarics-Hermanik zusammen. Bootsflüchtlinge und Mittelmeer waren auch vor etwa 500 Jahren schon ein Thema. „Nur, dass die Bewegung genau in die entgegengesetzte Richtung ging, von Westen nach Osten, von Norden nach Süden.“ Die Historikerin analysierte mit gut 20 LehrveranstaltungsteilnehmerInnen sowohl größere Migrationsströme als auch die Wege einzelner Verfolgter – etwa die der sephardischen Jüdin Gracia Mendes Nasi, die von der Iberischen Halbinsel über die Niederlande und Venedig schließlich im Osmanischen Reich landete und sich dort stark für andere Geflüchtete einsetzte.
„Geflüchtete bekamen dort generell Schutz, waren frei in ihrer Glaubensausübung und bekamen Karrieremöglichkeiten geboten“, schildert Barbarics-Hermanik. Das Reich war in die Kommunikationsnetzwerke des damaligen Europa eingebunden, wodurch man über diese Möglichkeit Bescheid wusste.

Die Große Badische Landesausstellung fokussiert weniger auf die kriegerischen Auseinandersetzungen als auf die Möglichkeiten zu einem friedlichen Zusammenleben im Alltag und auf den gegenseitigen Austausch mit dem Osmanischen Reich. Der von der Universität Graz gestaltete Teil stellt den Biografien historischer MigrantInnen aktuelle Schicksale gegenüber. „Es war uns und den GestalterInnen wichtig, die Brücke zur Gegenwart zu schlagen“, so Barbarics-Hermanik, die dem wissenschaftlichen Beirat des Museums angehört.
Die Ausstellung läuft von 19. Oktober 2019 bis 19. April 2020.

 

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