Ende dieses Seitenbereichs.

Beginn des Seitenbereichs: Inhalt:

Spiegelblick

Freitag, 03.05.2019, Universität, Forschen

Warum sich an Universitäten der Umgang mit dem Nationalsozialismus nach 1945 schwierig gestaltete

Mit dem Ende des NS-Regimes brachen 1945 auch an Österreichs Universitäten die vielfach beschworenen neuen Zeiten an. Dass diese aber nicht ganz so neu waren, machen WissenschafterInnen bei einer Tagung an der Universität Graz zum Thema. In gewisser Weise ein Blick in den Spiegel, um ein verantwortungsvolles Verhältnis zur eigenen Geschichte zu pflegen.

Ein durchaus ambivalentes Bild vom Umgang mit NS-WissenschafterInnen und der Entnazifizierung zeichnet Gerald Lamprecht, Professor für jüdische Geschichte unter besonderer Berücksichtigung der Zeitgeschichte: „Universität lässt sich nie losgelöst von der Gesellschaft betrachten.“ Auch Studierende, erklärt der Historiker, haben maßgeblich den ideologischen Kulturkampf vorangetrieben, indem sie zum Beispiel Aufführungen von Bert Brechts Dreigroschenoper störten. Lamprecht: „Universität war immer als Institution für Schlüsselkräfte relevant. Daher wirkte der Deutschnationalismus und damit häufig verbunden der Antisemitismus und Antislawismus über WissenschafterInnen in die Bevölkerung hinein.“ Nach dem Zweiten Weltkrieg wollte man jedoch von dieser Rolle recht wenig wissen, so Lamprecht.

Dass es nicht nur ein schwieriger, sondern teils auch schlampiger Umgang war, zeigt Susanne Korbel, Wissenschafterin am Centrum für Jüdische Studien, auf. So wurden die entsprechenden Gremien zur Entnazifizierung aus der Universität selbst heraus zusammengesetzt. Auch der Mangel an Lehrenden und beständige Netzwerke brachten nicht immer eine sowohl personelle als auch inhaltliche Neuorientierung. „Das führte dazu“, schildert Korbel, „dass nationalsozialistische Protagonisten nicht entlassen wurden.“ Oder sie fanden sich nach einer Pause als Professoren an anderen Universitäten wieder. 
Weitere Rück- und Aufschlüsse wird das Forschungsprojekt „Die Karl-Franzens-Universität Graz 1945–1955: Neubeginn und/oder Kontinuitäten“ liefern, das am Centrum für Jüdische Studien seit 2017 läuft. Ergebnisse daraus stellen Gerald Lamprecht, Susanne Korbel und Historiker Heimo Halbrainer im Rahmen der Tagung „Der ,schwierige‘ Umgang mit dem Nationalsozialismus. Die steirischen Universitäten im österreichischen Vergleich“ am 16. und 17. Mai 2019 vor. >> Mehr über die Tagung erfahren 

Aufhebung der Katholisch-Theologischen Fakultät
Einen Blick auf NS-Herrschaft und Universität Graz wirft dieser Tage auch die Katholisch-Theologische Fakultät, die vor genau 80 Jahren durch das nationalsozialistische Regime aufgehoben wurde. In einem Symposium am 7. Mai 2019 beleuchten ReferentInnen die Ereignisse vor dem zeitgenössischen Hintergrund und erörtern in ihren Beiträgen die Herausforderungen und die Relevanz der Theologie für Universität, Kirche und Gesellschaft in der Gegenwart. >> Mehr über die Tagung erfahren

Ende dieses Seitenbereichs.

Beginn des Seitenbereichs: Zusatzinformationen:


Ende dieses Seitenbereichs.